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Historisches und Kurioses

Zweiseitenkipper von Magirus

Als Magirus-Deutz 1920 den 2CV110 herausbrachte, war zumindest in Deutschland an überall auf den Baustellen verfügbare Planier-, Verschiebe- und Laderaupen noch nicht zu denken.

Zweiseitenkipper von MagirusSo war der zwei Tonnen Nutzlast tragende LKW mit seiner manuell nach zwei Seiten kippbaren und innen mit Blech beschlagenen Ladepritsche der viele Jahre zuvor entwickelte Langstreckentransporter für den erst viel später auch in Europa und damit auch in Deutschland einsetzenden Erd- und Straßenbau mit gleisungebundenen Erdbewegungsmaschinen.
Das im Vergleich mit heutigen Baustellenfahrzeugen sehr filigran wirkende Fahrzeug wurde von einem wassergekühlten Vierzylinder-Otto-Motor mit 6.080 cm³ Hubraum angetrieben, der bei nur 1.100 1/min eine Leistung von 40 PS entwickelte. Die Kraftübertragung zur zwillingsbereiften Hinterachse erfolgte über ein Vierganggetriebe mit Kulissenschaltung und danach über eine Kardanwelle. Beide Fahrachsen waren Starrachsen mit vertikaler Blattfederung und profillosen Vollgummireifen. Es ist heute fraglich, ob sich mit diesem Fahrwerk im Gelände ein halbwegs akzeptabler Fahrkomfort erzielen ließ!
Gelenkt wurde das Fahrzeug über eine im Fahrerhaus in Fahrtrichtung rechts angeordnete Spindellenkung.
Der Motor wurde unterhalb der Kühlerhaube mittels einer Handkurbel gestartet; die akustische Warneinrichtung bestand aus einer Gummiballhupe am Fahrersitz; der sich in einem Holzfahrerhaus befand, das auf beiden Seiten mit Segeltuchvorhängen versehen werden konnte.
Das Fahrzeug hatte eine maximale Gesamtmasse von 5.375 kg und verbrauchte auf einer Fahrstrecke von 100 km rund 19 Liter Benzin. Der heute bei schweren Lastkraftwagen allgemein als Antriebsaggregat übliche Dieselmotor wurde erst etwa 15 Jahre später in derartige Fahrzeuge und selbstfahrende Baumaschinen eingeführt.

geschrieben von Prof. Dipl.-Ing. G. Kotte am 14.01.2010 um 09:56 Uhr.


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