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Historisches und Kurioses
Die Vorläufer der gleislosen Erdbaumaschinen arbeiteten in der Großflächenlandwirtschaft
Vielen jungen Bauleuten ist kaum mehr bekannt, dass sich die meisten Erdbaumaschinen aus landwirtschaftlichen Maschinen entwickelt haben. Schließlich ging es in beiden Bereichen um Erdbewegung, der nennenswerte Unterschied war nur, dass bei der Feldbestellung eine bestimmte Erdschicht gewendet und aufgelockert wurde und beim Erdbau derartig vor behandelte Schichten komplett an andere Plätze verschoben werden mussten.
Im Zuge der Bemühungen um die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in beiden Bereichen wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die bereits im Gleis gebundenen Baggern erfolgreich eingesetzte Dampfmaschine auf in diesem Zeitraum erfundene Kettenlaufwerke gesetzt. Das war vor allem nötig, um den von diesen neuen Zugmaschinen überrollten Boden mit nur sehr geringen spezifischen Flächendrücken zu belasten und damit die Fahrspuren nicht zu stark zu verdichten. Natürlich waren diese ersten geländegängig automobilen Zugmaschinen wahrhaftige "Monster", die zumindest von zwei Personen, dem Fahrer und dem Heizer, bedient werden mussten. Außerdem waren sie auch noch schlecht zu lenken und noch schlechter zu wenden. Das lag daran, dass die Antriebsräder der beiden Kettenlaufwerke von der Antriebswelle mit gleicher Drehzahl angetrieben wurden und die Maschine nur durch ein weit vor dem Maschinenbug angeordnetes und lenkbares Spornrad in die gewünschte neue Fahrtrichtung gebracht werden konnte. Um die Verzahnung zwischen Spornrad und der oft sehr weichen Bodenoberfläche zu verbessern und somit die nötigen Lenkkräfte zu erzeugen, wurden diese Maschinen noch mit einer zusätzlichen, dem Spornrad voraus laufenden Verdichterwalze versehen.
Diese automobilen Dampfzugmaschinen waren ein riesiger Fortschritt in der Großflächen-Landwirtschaft, da von ihnen Anhängemaschinen mit bislang nicht bekannten Arbeitsbreiten bewegt werden konnten, so mussten sich die Landwirte kleinerer Ackerflächen nach wie vor mit Pferde- oder Muligespannen begnügen. Die anfängliche Unförmigkeit und schwere Lenkbarkeit der Dampfzugmaschinen waren zwei wesentliche Gründe, dass sie nicht schon von Anfang an auch in der Bauwirtschaft auf Erdbaustellen eingesetzt wurden. Das hatte zur Folge, dass auf vielen Baustellen noch bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts hinein mit von Gespannen gezogenen Anhänge- oder Vorbaumaschinen gearbeitet wurde.
geschrieben von Prof. Dipl.-Ing. Gernot Kotte /BBB am 20.07.2010 um 13:32 Uhr.
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